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4 - Im Schatten der Mauer

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  Gelungene Fluchtversuche

Insgesamt gelang 5043 Ostdeutschen die Flucht über die Mauer. Darunter waren 574 Volksarmisten. Der erste von ihnen war Conrad Schuman, der bereits am 15. August 1961 über den Stacheldraht sprang. Der größte Teil dieser Fluchtaktionen fand in den ersten Monaten nach dem Mauerbau statt, solange die Grenze noch nicht hermetisch abgeriegelt war. Sechzigtausend Menschen wurden wegen versuchter „Republikflucht" oder auch nur wegen derartiger „Vorbereitungen" verurteilt. Lebenslänglicher Freiheitsentzug stand auf organisierte Fluchthilfe. Die Flüchtlinge benutzten vielfältige Mittel und Wege, um ihr Ziel zu erreichen. Im ersten Jahr wurde die Mauer vierzehnmal mit Lastwagen durchbrochen.

Im Dezember 1961 durchbrach ein Zug mit 24 Flüchtlingen die Mauer. Im Juni 1962 bemächtigten sich 14 Berliner eines Schiffes, nachdem sie den Kapitän betrunken gemacht und gefesselt hatten.. Dann gelang es ihnen im Kugelhagel, die Spree mit Volldampf zu überqueren.

Die spektakulärste Flucht gelang 57 Ostberlinern im Oktober 1964 unter der Mauer hinweg. Seit April hatten 37 West-Berliner Studenten und Verwandte der Flüchtlinge in 13 Metern Tiefe einen 145 Meter langen und 70 Zentimeter hohen Tunnel ausgehoben, der eine ehemalige Bäckerei in der Bernauer Straße mit einem Hinterhof-Klosett der Strelitzer Straße im Osten verband. In zwei Tagen, vom 3. bis 5. Oktober, legten 31 Frauen, 23 Männer und 3 Kinder den Weg durch diesen engen Tunnel zurück. Ihre Flucht, seit dem Bau der Mauer die achte durch einen Tunnel, endete mit einer Schießerei, bei der ein ostdeutscher Soldat ums Leben kam.

In der Nacht des 28. Juli 1965 gelang der Familie Holzapfel das Kunststück, an einem Seil, das sie vom Dach des Ostberliner Hauses der Ministerien auf die Westseite der Grenze geworfen hatten, wo es von in die Fluchtpläne eingeweihten Verwandten festgemacht wurde, über die Mauer hinwegzuschweben.

Das Auto war auch ein bewährtes und vielseitig verwendbares Fluchtmittel: Der Flüchtling wurde unter dem Auto festgeschnallt oder im Kofferraum versteckt, weshalb der Benzintank verkleinert wurde. Einem Sportwagen gelang es, unter dem Schlagbaum hindurchzufahren. Danach wurden am Schlagbaum senkrechte Hängestäbe angebracht. Neun Personen gelang nacheinander die Flucht in einer „Isetta", einem Kleinwagen, der dem Fiat 500 ähnlich war. Um einen Flüchtling darin unterbringen zu können, waren Batterie und Heizung ausgebaut worden.

Vier Männer in sowjetischen Uniformen, welche von ihrer Fluchtgefährtin geschneidert worden waren, fuhren unbehelligt über die Grenze und wurden respektvoll von den Wachposten gegrüßt.

Im Januar 1984 suchten 6 Ostdeutsche in der amerikanischen Botschaft in Ostberlin Zuflucht und erhielten nach zwei Tagen intensiver Verhandlungen die Ausreisegenehmigung.

 

 LKW als Fluchtmittel
LKW als Fluchtmittel

Isetta
Fluchtauto Isetta

 

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Inhaltsverzeichnis - Anhang - Der Fall der Mauer

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