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4 - Im Schatten der Mauer

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  Im Schatten der Mauer

Die Berliner BevölkerungDie Berliner, vor allem die im Westen, fanden sich allmählich mit der Mauer ab, die nach und nach zu ihrem Stadtbild und ihrem mentalen Umfeld gehörte. Durch sie wurde die unterschiedliche Entwicklung in den beiden Teilen der Stadt noch verstärkt.

Das von seinem natürlichen Hinterland abgeschnittene West-Berlin verlor zwischen 1961 und 1983 mehr als 340 000 Einwohner und verdankte sein Überleben den Fördergeldern der Bundesrepublik. Um diesen Bevölkerungsverlust auszugleichen, griff die Stadt auf ausländische Arbeitskräfte, vor allem Türken (131 000), Jugoslawen (35 000) und Polen (22 000) zurück. Die Mauer veränderte das Bild der angrenzenden Stadtviertel. Die Zugänge von westlicher Seite zu den im Osten liegenden Häusern, Gärten, Kirchen und Friedhöfen wurden zugemauert und versperrt. Häuser standen leer, verfielen, und wie in Kreuzberg richteten sich Hausbesetzer darin ein. Die an der Mauer gelegenen Stadtviertel begünstigten das Entstehen der Alternativbewegung, die für Selbstverwaltung, das Leben in Kommunen und gegen die bürgerliche Kultur kämpfte.

Im Schatten der Mauer wurde Ostberlin nun endgültig Bestandteil der DDR und erhob Anspruch darauf, eine Hauptstadt im wahrsten Sinne des Wortes zu werden. Das historische Zentrum wurde entweder im alten Stil wiederaufgebaut (Nikolaiviertel) oder im Sinne sozialistischer Baukunst gestaltet (Palast der Republik, Fernsehturm, Alexanderplatz).

Im ersten Jahrzehnt nach dem Mauerbau wechselten politische Spannungen und menschliche Erleichterungen in Berlin einander ab.

Anläßlich des einjährigen Bestehens der Mauer fanden in West-Berlin heftige Demonstrationen statt, die mehrere Tage andauerten. Dabei wurden sowjetische Fahrzeuge von der wütenden Menge angegriffen.

Im Dezember 1963 gelang es dem Berliner Senat, mit den ostdeutschen Behörden eine Passierschein-Regelung zu vereinbaren, die es Hunderttausenden West-Berlinern erstmals seit dem Bau der Mauer ermöglichte, ihre Verwandten und Freunde über die Weihnachtsfeiertage zu besuchen. Bis 1966 kamen noch drei weitere solche Regelungen zustande. Danach wurden lediglich Sondergenehmigungen in dringenden Familienangelegenheiten (Geburt, Eheschließung, schwere Krankheit, Sterbefall) erteilt. Ab November 1964 durften ostdeutsche Rentner besuchsweise zu ihren Verwandten in die Bundesrepublik ausreisen. Und so bestand auch der Großteil der 383 181 Ostdeutschen, die zwischen 1961 und 1988 legal in die Bundesrepublik ausreisen durften, hauptsächlich aus Rentnern.

Im Dezember 1964 führte die DDR einen Zwangsumtausch für Besucher aus der Bundesrepublik und West-Berlin ein. Im Juni 1968 wurde für Reisende zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin eine generelle Paß- und Visumpflicht eingeführt, was zu langen Warteschlangen an den Grenzkontrollpunkten Dreilinden und Helmstedt führte.

 

Willy Brandt, inzwischen Bundeskanzler, leitete eine neue Ostpolitik ein, die auf innerdeutsche Entspannung hinzielte. Dies führte zum Abschluß mehrerer Abkommen, welche zur Stabilisierung der Lage in und um Berlin beitrugen.

Zunächst unterzeichneten die Botschafter der vier Besatzungsmächte im ehemaligen Gebäude des Kontrollrats am 3. September 1971 ein Abkommen (Viermächte-Abkommen), in dem die Sowjetunion freien Zugang nach West-Berlin gewährleistete. Im Gegenzug erkannten die Westmächte an, daß Berlin kein Bestandteil der Bundesrepublik sei. Zwei zwischen den beiden deutschen Staaten getroffene Zusatzabkommen regelten Detailfragen. Das erste vom 17. Dezember 1971 brachte Erleichterungen im Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin. Drei Tage später wurde ein zweites Abkommen zwischen dem Senat von Berlin und der Regierung der DDR verabschiedet, das West-Berlinern Erleichterungen bei Reisen in die DDR brachte, wo sie sich nunmehr 30 Tage pro Jahr (später auf 40 Tage erhöht) aufhalten durften. Von diesem Zeitpunkt an stieg die Anzahl der Reisen von und nach Berlin stark an. Ein Jahr später, am 21. Dezember 1972 unterzeichneten die beiden deutschen Staaten den Grundlagenvertrag, der die innerdeutschen Beziehungen regelte und ihnen schließlich die Aufnahme in die UNO ermöglichte.

 

Die Berliner Bevölkerung
Die Berliner Bevölkerung

Warteschlangen an den Grenzübergängen zur DDR
Warteschlangen an den Grenzübergängen zur DDR

 

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Inhaltsverzeichnis - Anhang - Der Fall der Mauer

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