Exhibition Daniel Boulogne

Daniel Boulogne
" The Berlin Wall "

Caen Memorial - DHM

I - From Paris
II - Through East border
III - "Rabbit For Ever"
IV - Just in front the Wall

 

IV - Just in front of the Wall

An diesem historischen Dienstag am Potsdamer Platz, hatte sich ein Maler, bevor er zu meinen Pinseln griff, ein weisses Stirnband mit der Aufschrift " Keine Gewalt " umgebunden.

Er drückte damit den Willen der ganzen Gruppe aus. Jeder hatte sich ein Stück Mauer ausgesucht und arbeite wie er wollte. Es waren ungefähr 30 Maler da. Manche waren mit ihren Frauen und Kindern gekommen, um mit ihnen diesen einzigartigen Moment zu teilen : der erste Kontakt mit dem tödlichen Monstrum, der Drachen, den sie mit Pinsel und Farbe zähmen wollten. Die Stimmung war familiär und heiter.

  
    
Die Vopos hielten sich fast wohlwollend zurück. Ein Abkommen war mit ihren Vorgesetzten getroffen worden : Die Maler durften malen und zeichnen aber keine Slogans auf die Mauer malen. Kritisch wurde es erst, als die Künstler schon dabei waren, ihre Sachen einzupacken.

Der Grund des Streites ? Ein Zitat, Teil einer Zeichnung, in dem das Wort " Blut " vorkam. Dieses Zitat war einem Gedicht entnommen worden, an das sich der Künstler ganz spontan erinnerte. Aber der Offizier befahl, sofort die ganze Aktion abzubrechen, der Hinweis auf das Blut stand für ihn ohne Zweifel in Zusammenhang mit dem Blut, das an der Mauer vergossen worden war.

 
Die Künstler wollten einen Streit vermeiden. Sie haben versucht, in aller Ruhe das Zitat zu erklären.

" Die wahre Kunst befindet sich in Museen, " sagte der Offizier dem die angeblichen Kunstwerke, die er vor Augen hatte, nicht gefielen. Ein Künstler hatte eine obszöne Zeichnung gemacht.

- " Kunst ist aber auch, was man auf der Strasse sieht ", plädierte Léo Wolf und lud den Offizier und seine Kollegen ein, an einer Diskussion über die Zensur teilzunehmen.

"Dies ist keine Zensur, sondern meine persönliche Meinung " verteidigte sich der Offizier.

" Seit 40 Jahren erdulden wir das Joch der persönlichen Meinung von einigen Leuten in diesem Land. Darum sind so viele Menschen geflüchtet. Aber das ist jetzt vorbei, nicht wahr ? " sagte Léo Wolf lächelnd.

Am selben Abend noch haben die Vopos die Fresken, die die Maler angefangen hatten, mit grauer Farbe übermalt.

  
    
Eine unglaubliche Umkehr der Situation. Die Künstler versteckten sich nicht mehr und - im Gegenteil - die Soldaten löschten nachts in einer Nacht-und Nebel-Aktion ihre Arbeit aus. Wir waren weit entfernt von dem Streit um den Platz der Kunst, die lebendige Kunst in der Strasse oder die mumifizierte Kunst der Museen. In diesem Krieg der Pinsel ging ein Machtsystem unter und in neue Hände über. Die Vopos gaben sich nicht einmal mehr die Mühe wie Demokraten in einem freien Staat zu handeln. Die trostlose graue Farbe war wie ein Schuldgeständnis : es war die harmlose Schmiererei eines Machtapparates der brach lag, der nie wieder Hasen daran hindern würde, frei herumzulaufen, der die Künstler nie wieder hindern würde zu malen und der das Volk nie wieder hindern würde seine Regierenden frei zu wählen.

In der Nacht als die Vopos die Fresken übermalten, regnete es. Ihre Farbe war noch nicht getrocknet und da sie ausserdem von schlechter Qualität war, wurde sie weggeschwemmt und die Fresken sind transparent wieder wie eingemeisselt zum Vorschein gekommen. Die Mauer des Schweigens war für immer gebrochen.

 
Später und an anderen Stellen sind andere Mauerteile bemalt worden und die Polizei hat es zugelassen. Dann gab es neue Breschen. Voller Löcher gab die Mauer ihr Innenleben preis ; Eisendrähte im Beton, die noch nicht mal die Zeit hatten, zu rosten. Sie wurden abgesägt und einer nach dem anderen fielen die Mauerteile unter dem stetigen Hämmern der Mauerpicker, die im Westen Seite an Seite stehend oder auf den Knien arbeiteten. Manche benutzten elektrische Bohrer, um Mauerstücke auszubrechen. Die Mehrheit versuchte kleine Stücke aus der Mauer zu brechen, die mit besonders auffallenden Malereien bedeckt waren. Ein Uhrenblatt mit dem Auge des Zyklopen, eine Hand mit sieben Fingern. Der Verkauf dieser Stücke liess sich gut an. Auf Tüchern ausgebreitet, auf Zeitungen, in Plastiksäckchen mit einem Zertifikat ausgestattet : Original Berliner Mauer. Es wurden einfache Splitter mit ein paar Farbklecksen aber auch grösssere Blöcke verkauft.

Im Februar 1991 habe ich erfahren, dass Teile der Berliner Mauer zu verkaufen wären. Die Welt interessierte sich nicht mehr. Berlin und die Teile wurden ausverkauft. Ich habe 2 Tonnen für 750 FF gekauft, der Transport war das teuerste.

Ich wusste nicht, was ich gekauft hatte. Und als ich die Teile endlich vor mir stehen hatte, habe ich wie ein Kind geweint : der Lastwagen lieferte mir die herumspringenden Hasen von Manfred Butzmann. Hase für immer !

Later on, further along, more sections of the Wall were painted and the police turned a blind eye. Then on the western side, it was breached in more places. Riddled with holes, the Wall began to show its innards of steel reinforcement that had not even had time to rust. These were sawn off and whole sections began to fall away under the hammering of the people on the western side standing elbow to elbow, or on their knees, and wearing gloves to keep out the cold. Some had protective goggles and were using electric drills. Most were not really demolishing anything. They wee carefully removing fragments of wall painting, a monster Cyclop's head or a seven-fingered hand. Trade was soon brisk. Laid out on tea towels or newspapers or wrapped in plastic bags with a certificate stating: Original Berliner Mauer, you could buy pieces ranging from tiny splinters carrying traces of colour to more imposing chunks.

In February 1991, I found out that there were bits of Wall up for sale. The world was losing interest in Berlin and they were going cheap. I bought up two tonnes for 750 francs: it cost me more than that to ship them. I had no idea what I had bought. But when I discovered, I cried like a kid: the lorry had brought me Manfred Butzmann's frolicking rabbits. Rabbit for Ever!

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