Exhibition Daniel Boulogne

Daniel Boulogne
" The Berlin Wall "

Caen Memorial - DHM

I - From Paris
II - Through East border
III - "Rabbit For Ever"
IV - Just in front the Wall

 

I - From Paris

Die Berliner Mauer - hier können Parallelen gezogen werden. Auf der westlichen Seite, die Freiheit. Auf dieser Seite der Mauer war man frei zu tun was man wollte, ausser die Mauer zu überwinden. Aber warum sollte man sie auch überwinden, man war doch auf der richtigen Seite. Auf der Seite auf der es alles gab : Farbe, Pinsel, Gerüste. Die Freiheit und die Mittel zur Freiheit. Und die Künstler haben sich nie versagt, während der 10 795 Tage und Nächte, an die die Mauer existierte, alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel auszunutzen.
 

Die Mauer der Schande. Zwischen August 1961 und dem Abriss am 9. November 1989 haben Künstler aus ihrer westlichen Seite ein Flugblatt, einen Comic Strip, einen mit Monstern bevölkerten Zoo, einen Aufschrei, einen Aufruf zur Freiheit stilisiert, indem sie mit Wörtern warfen wie mit Wackersteinen, eine Bildergalerie unter freiem Himmel gemacht. Sie haben die Mauer in ein Kunstwerk verwandelt.

 

  

    

Auf der anderen Seite nichts ! Nur nackter Beton, von den Vopos bewacht, Soldatenpatrouillen, Wachtürme, Stracheldrahtrollen. Die Scheinwerfer mit denen die Nacht zum Tag gemacht wird. Und zwischendurch das Rattern eines Maschinengewehres : Mindestens 70 Menschen sind am Fusse dieser Mauer umgekommen.

Nichts als nackter Beton - und ich hatte nicht darüber nachgedacht.

Es ist Abend, 16. November 1989. Nur eine Woche ist seit der ersten Bresche in der Mauer vergangen.

Wir haben 2 Tonnen Farbe aufgeladen. Weiss, Schwarz, die drei Primärfarben, Rot, Blau und Gelb. Dann Farben, die man nicht so leicht mischen kann wie Apfelgrün, Aprikose und einige Ockerfarben. Wir haben die Farbpaletten um alle Abstimmungen des Prismas herstellen zu können, von Ultraviolett bis zum Infrarot.

 
Wir haben Gerüste verschiedener Höhen, Pinsel in allen Grössen, leere " Verame's Tibesti " Farbeimer, Wassereimer, Lösungen, Lappen, Bleifäden und Strippen eingeladen. Als gewissenhafte und verantwortungsbewusste Fachleute haben wir auch Polyanrollen eingepackt, um den Boden vor Farbklecksen zu bewahren, als würde es sich um ein geschliffenes Eichenparkett handeln ! Dann haben wir alles festgezurrt, eine Plane darübergespannt und fort ging es.

  

 
Als Geschäftsleiter einer Firma mit über 1400 Angestellten war mein Platz natürlich im Büro und nicht in Berlin als Lieferant. Mein Terminkalender platzte aus allen Nähten, und wenn ich fuhr hiess das, dass ich alles rückgängig machen musste, mit dem Risiko, Verträge zu verlieren. Aber schon zum zweiten Mal stosse ich auf eine Mauer des Widerstandes. Mit Jean Vérame wollten wir damals die Mauer blau bemalen. Mit dem Vérame Blau. Nur blau. Für uns verkörpert das Blau die schimmernde Ungetrübtheit eines wolkenlosen Himmels. Aber nicht nur das. Es ist die Farbe des Friedens : spricht man nicht von den Blauhelmen ? Es ist auch die Farbe eines vereinten und ausgesöhnten Europas, das nach zwei sinnlosen und grausamen Weltkriegen durch die deutsch-französische Freundschaft besonders vorangetrieben wurde. Seit 1961 ist die Mauer mit wilden Malereien zugekleistert worden. Als Baufachmann verurteile ich Graffitis : sie sind genauso schädlich wie ein Maulwurf in einem Gemüsegarten. Ein Maulwurf ist ein rührendes Tier, ausser wenn es unsere Radieschen und Salate frisst. Ein altes Wohnhaus von Hausman gebaut, gerade restauriert und frisch verputzt, mit Kritzeleien zu beschmieren ist genauso kriminell, wie die Venus von Milo zu verunstalten : die Farbe dringt für immer in den Stein ein.

 
Natürlich kann man Graffitis als Zeichen der Rebellion gegen die etablierte Ordnung ansehen, und daher wird auch die Berliner Mauer aus westlicher Sicht als Kunst angesehen. Aber mit Jean Vérame dachten wir, dass nach dem Zeitalter der Wut und der Auflehnung das Zeitalter des Friedens folgen würde, symbolisiert durch eine blaue Mauer, so blau wie die Blauhelme.

Dieses Projekt ist nie ausgeführt worden. Genausowenig wie das Projekt von Raymond Moretti : eine Mauer vor der Mauer bauen. Er wollte eine Leinwand auf Gleitschienen vor die richtige Mauer montieren und auf dieser Leinwand sollten verschiedene Künstler nebeneinander einen ganzen Tag lang vor den Kameras aus aller Welt arbeiten. Danach wäre alles abmontiert und die einzelnen Bilder wären versteigert worden. Ein schönes Projekt, aber auch dieses ist ins Wasser gefallen.

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