Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  100 - Otto Dix

Otto Dix, Flandern (zu dem Roman "Das Feuer" von Henri Barbusse), 1934-36, Öl und Tempera auf Leinwand, 200 x 250 cm, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin.

© SESAM, Paris, 1998.

 
Der Tod
99100101

100 - Otto Dix

Obwohl Dix von den Nazis mit einem Mal- und Lehrverbot belegt worden war, fertigte er heimlich dieses letzte Bild zum Gedenken an "seinen" Krieg und die Toten an. Wie das Triptychon lehnt sich auch dieses Werk in seinem Stil an die alten deutschen Meister an, wovon die Gestaltung des Himmels, der Wurzeln und des Astwerks zeugt. Die Hommage für den französischen Veteranen Barbusse, der bis zu seinem Tod 1935 in Moskau Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs war und dessen Werke in Hitlerdeutschland natürlich verboten waren, beweist, wie sehr Dix das neue Regime ablehnte, das bereits wieder Kriegsvorbereitungen traf.
Die literarische Anspielung gibt Auskunft über den Inhalt: nicht mehr das Gemetzel steht hier im Vordergrund, sondern die Überflutung der Schützengräben, die jeden Kampf vereitelte und die Soldaten beider Lager zur Flucht aus ihren Unterständen zwang, ohne länger ans Töten zu denken. Nachts flohen sie dorthin, wo das Wasser sie nicht erreichen konnte. Bei Tagesanbruch stellten sie fest, daß sie dicht beieinanderlagen. Barbusse gab folgende Beschreibung: "Es ist jetzt ein seltsam anmutendes Ruhelager. Das Gelände ist übersät mit Menschen, die schlafen oder mit leisen Bewegungen, einen Arm hebend, den Kopf hebend, zu leben beginnen oder sterben. Der feindliche Schützengraben, der sich durch die Unebenheit dieser Landschaft aufgewühlter Erde und morastiger Trichter zieht, fällt gänzlich in sich zusammen und bildet eine Reihe von Pfützen und tiefen Schlammlöchern. Stellenweise sieht man, wie die eben noch aufgehäuften Ränder in Bewegung geraten, abbröckeln und schließlich abrutschen.(…) Alle diese Männer mit ihren totenbleichen Antlitzen, die vor uns und hinter uns liegen, kraftlos, wortlos, willenlos, alle diese erdverkrusteten Männer, die sozusagen ihr Grab mit sich herumtragen, gleichen einander, als wären sie nackt. Dieser Schreckensnacht werden auf der einen und der anderen Seite Spukgestalten entsteigen, gehüllt in dieselben schäbigen, verdreckten Uniformen."