Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  98 - Otto Dix

Otto Dix, Prager Straße, 1920, Öl und Collage auf Leinwand, 101 x 81 cm, Galerie der Stadt, Stuttgart.

© SESAM, Paris, 1998.

 
Der Tod
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98 - Otto Dix

Anläßlich der ersten internationalen Messe in Berlin im Jahre 1920 stellte Dix sein Werk Kriegsversehrte (mit Selbstbildnis) - aus, ein Fries, das Verstümmelte, Amputierte, Entstellte und Blinde auf einer Straße darstellte. Prager Straße und Die Skatspieler sind zwei Werke aus dem Jahre 1920, die dem ersten sehr verwandt sind, welches allerdings von den Nazis beschlagnahmt und wahrscheinlich vernichtet wurde. Es werden Krüppel abgebildet, mit Prothesen, furchtbaren Narben, Haut- und Gewebeverpflanzungen, groteske alte Kämpfer, von denen manche zum Betteln verurteilt sind, andere ihre Blessuren zur Schau stellen als Beweis für ihre Tapferkeit im Krieg. In der Prager Straße werden die Gebrechen noch durch die Anwesenheit einer Frau mit enganliegendem rosa Kleid und Hund unterstrichen. In einem Schaufenster sind Perücken, Korsetts und Prothesen ausgestellt. Ein Spazierstock steckt in einer künstlichen Hand aus Holz. Die Zeichnung schwankt zwischen genauer Darstellung und satirischer Verzerrung. Auch an politischen Andeutungen mangelt es nicht. Neben den Beinamputierten, dessen Oberkörper auf einem Brett mit Rollen sitzt, hat Dix ein Flugblatt oder ein Plakat geklebt mit der Aufschrift: "Juden raus!". Die ultranationalistische Propaganda, die den Antisemitismus sehr früh schon auf ihre Fahnen geschrieben hatte, und zwar noch bevor er zu einem ihrer Dogmen wurde, fand bei den Veteranenverbänden in der Tat ein offenes Ohr. Insofern ist dieses Werk eine Analyse der deutschen Gesellschaft nach der Niederlage und zugleich die Vorwegnahme ihrer Entwicklung in der Weimarer Republik.