Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  90 - C. R. W. Nevinson

C. R. W. Nevinson, Paths of Glory (Wege zum Ruhm), 1917, Öl auf Leinwand, 45,7 x 61 cm, Imperial War Museum, London.

© Imperial War Museum, Londres.

 
Der Tod
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90 - C. R. W. Nevinson

Weil Nevinson es gewagt hatte, die Leichen zweier Tommys vor einem Stacheldrahtverhau zu malen, durfte das Gemälde 1918 nicht ausgestellt werden. Nevinson weigerte sich, es aus der Ausstellung zu entfernen und verdeckte es statt dessen mit braunem Papier mit der Aufschrift: von der Zensur verboten. Das brachte ihm einen Tadel des War Office ein, denn es war nicht nur verboten, die Wirklichkeit zu zeigen, sondern auch die Zensur anzuprangern. Nevinson hatte jedoch lediglich das gemalt, was jeder Soldat dutzende Male gesehen hatte, nämlich Kameraden, die bei sinnlosen Angriffen im Feuer gefallen waren.
Die Reaktion war um so heftiger, als das Gemälde nichts mehr mit den kubistisch-futuristischen Werken Nevinsons aus den Jahren 1915 und 1916 gemein hatte. Das Gemälde Wege zum Ruhm - betont realistisch à la Courbet, und bar jeder geographischen Linienführung, fotografischer als jedes andere Werk des Künstlers - entzieht sich der ästhetischen Beurteilung, denn seine Wirkung ist im wesentlichen moralischer und politischer Art. 1957 benutzte der amerikanische Filmregisseur Stanley Kubrick den Titel Wege zum Ruhm für einen seiner Filme, in dem er die Sinnlosigkeit des Ersten Weltkrieges anprangert und die Meutereien und ihre brutale Repression darstellt, die in Nevinsons Gemälde allerdings fehlen. Aus diesem Grund wurde der Film in Frankreich lange nicht gezeigt …
 

 
90-Nevinson"Neben Köpfen, schwarz und wächsern wie ägyptische Mumien, zerfressen von Ungeziefer, aufgedunsen, mit weißen Zähnen in der hohlen Mundöffnung, neben erbärmlichen, dunkel verfärbten Gliederstümpfen, die wie kahle Wurzeln überall aus dem Boden sprießen, liegen entfleischte, gelbe Schädel, bemützt mit rotem Fez, deren graue Hülle wie Papyrus zerfällt. Aus schlammverkrusteten Lumpenhaufen ragen Oberschenkelknochen, ein Stück Rückgrat spießt aus durchlöcherten, mit einer teerartigen Masse überzogenen Stoffetzen. Der Boden ist übersät mit Rippen, die wie Stäbe alter, zerbrochener Käfige herumliegen, daneben dreckverschmiertes Leder, zerschossene, zerquetschte Becher und Blechnäpfe. (…) Hier und da eine längliche Erhebung - denn irgendwann nimmt die Erde die unbestatteten Toten sowieso in sich auf - nur ein Stück Stoff lugt hervor und zeugt davon, daß auf diesem Fleckchen Erde ein Mensch zugrunde gegangen ist."

Henri Barbusse, Das Feuer.