Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  79 - Pierre Bonnard

Pierre Bonnard, Un village en ruines près du ham (Zerstörtes Dorfe bei Ham), 1917, Öl auf Leinwand, 63 x 85 cm, Musée d'histoire contemporaine - BDIC, Paris.

© SESAM, Paris, 1998.

 
Unsägliches Leid
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79 - Pierre Bonnard

Bonnard (1867-1947) gehörte zu den Malern, die Ende 1916 den Auftrag erhielten, Kriegsbilder zu malen. Er war gewiß am wenigsten von allen auf eine solche Aufgabe vorbereitet, nicht etwa, weil der Krieg ihn gleichgültig gelassen hätte, sondern weil er hauptsächlich weibliche Akte und Interieurs malte. Seiner Pflicht als Kriegsmaler kam er nach, indem er ein einziges Gemälde schuf, das er jedoch nie fertigstellte. Zwischen Häusertrümmern stehen französische Truppen bereit. Ein am Rande hockender Greis verkörpert Mutlosigkeit und Elend. Im Hintergrund ist eine Ambulanz des Roten Kreuzes zu erkennen, die auf weiteres Unheil hindeutet. Der Zustand, in dem der Künstler das Werk hinterlassen hat, die Unvollständigkeit und stellenweise Verschwommenheit, entspricht der trostlosen, entmutigenden Stimmung. Man könnte vermuten, daß in Bonnards Augen ein vollkommenes Werk fehl am Platze gewesen wäre zu einer Zeit, wo die Kunst selbst gegenstandslos geworden war.
 

 
79-Bonnard"In wenigen Tagen hatte die Wirkung der schweren Artillerie ein friedliches Etappenstädtchen in ein Bild des Grauens verwandelt. Ganze Häuser waren durch einen Treffer niedergestampft oder mitten auseinandergerissen, so daß die Zimmer und ihre Einrichtung wie Theaterkulissen über dem Chaos schwebten. Aus manchen Ruinen drang Leichengeruch, denn der erste, jähe Feuerüberfall hatte die Einwohner völlig überrascht und viele von ihnen unter den Trümmern begraben, ehe sie noch aus den Häusern stürzen konnten. Vor einer Schwelle lag ein totes kleines Mädchen in einer roten Lache ausgestreckt. (…) Die Straßen bestanden nur noch aus schmalen Trampelpfaden, die sich in Schlangenlinien durch und über gewaltige Hügel von Balken und Mauerwerk wanden. In den zerwühlten Gärten verkam eine Unmenge von Gemüsen und Obst."

Ernst Jünger, In Stahlgewittern.