Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  78 - C. R. W. Nevinson

C. R. W. Nevinson, La Patrie (Vaterland), 1916, Öl auf Leinwand, 60,8 x 92,5 cm, City Museum and Art Gallery, Birmingham.

© Birmingham Museums & Art Gallery.

 
Unsägliches Leid
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78 - C. R. W. Nevinson

Sinn und Ausdruckskraft dieses Gemäldes treten so eindeutig hervor, daß sich eine lange Erläuterung erübrigt. Es sei lediglich darauf hingewiesen, daß Nevinson die Anregungen zu diesem Bild in seiner Erinnerung an das fand, was er nach den ersten Kämpfen bei Ypern in Dünkirchen gesehen hatte und daß der von ihm gewählte französische Titel La Patrie (Vaterland) offensichtlich ironisch gemeint war. Als das Bild 1916 ausgestellt wurde, rief es heftige Reaktionen hervor, die ein Vorgeschmack auf jene sein sollten, die ein anderes "düsteres" Gemälde Nevinsons, Wege zum Ruhm, später hervorrufen sollte.
 

 
78-Nevinson"Endlich machen wir Halt. Nach wie vielen Stunden? Andere Arme schleppen mich, meinen erschöpften, ausgebluteten Körper. Ich muß mir mit meinen Fingern übers Gesicht gefahren sein, denn stellenweise spannt die Haut da, wo das Blut trocknet. Schön werde ich aussehen, wenn die beiden Schwestern zu mir kommen, die langsamen Schrittes an den Tragbahren entlanggehen und sich kurz über die Verwundeten neigen. Jemand hat mir mein neues Käppi von Verdun auf den Kopf gestülpt, das aussieht wie ein blauer Blumentopf. So ein bleiches, blutverschmiertes Clownsgesicht unter meinem schönen neuen Käppi! (…)
Ekelerregender Geruch nach Teer, Chlor und Blut hängt in der Luft.
'Ein Leutnant des 106., Herr Doktor.'
Sie berühren mich, ich spüre wieder den Einstich einer Nadel. Ich kann die dunkle Jacke des Majors zwischen den beiden weißen Krankenschwestern erkennen. Sie sprechen mich an. 'Ja, ja …' antworte ich. Und die Stimme des Arzts erklärt: "Nicht evakuierbar, ins Lazarett".

Maurice Genevoix, Ceux de 14.