Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  68 - Pablo Picasso

Pablo Picasso, Apollinaire blessé (Der verwundete Apollinaire), 1916, Bleistift auf Papier, 48,8 x 30,5 cm.

© Succession Picasso 1998. Alle Rechte vorbehalten.

 
Unsägliches Leid
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68 - Pablo Picasso

Eine noch größere Anteilnahme drückt die Zeichnung mit der Widmung "Meinem Freund Apollinaire" aus. Die Freundschaft zwischen dem Maler und dem Dichter bestand zu dieser Zeit seit etwa zehn Jahren und war um so inniger, als Apollinaire in den Méditations esthétiques stets seine Bewunderung für Picasso bekräftigt hatte. Die Analyse seines Schaffens brachte ihn zu der Überzeugung, daß Picassos Werk über den Kubismus hinaus von entscheidender Bedeutung sei. Der Dichter wurde bei Reims verwundet und in Paris medizinisch behandelt. Das Bildnis zollt Apollinaires Tapferkeit Anerkennung: Es stellt einen Soldaten in Uniform und Stiefeln dar, der mit dem Croix de Guerre ausgezeichnet worden ist und Autorität ausstrahlt. Es ist ein Gegenbild zu dem zwei Jahre früher gezeichneten Porträt von Apollinaire in säbelrasselnder Gebärde, das von weniger Ernsthaftigkeit zeugte. Inzwischen hatten die ersten blutigen Schlachten stattgefunden, und Braque und Cendrars waren ebenfalls verwundet worden.
 

 
Coquelicot Am Himmel leuchten die Geschosse der Boches
der verzauberte Wald, mein Aufenthalt, lädt zum Ball
das Maschinengewehr trillert eine Melodie
Aber wie heißt die Parole
Ja! die verhängnisvolle
An die Scharten An die Scharten Laßt die Picken fallen

Wie ein verirrtes Gestirn auf der Suche nach seiner Bahn
Herz Geschoß zerborstnes du pfiffst deine Romanze
Deine tausend Sonnen haben die Kisten geleert
die meiner Augen Götter in Stille füllen.

Nach Guillaume Apollinaire, "Aprilnacht 1915", Calligrammes.