Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  66 - Otto Dix

Otto Dix, Selbstbildnis als Schießscheibe, 1915, Öl auf Papier, 72 x 51 cm, Otto-Dix-Stiftung, Vaduz.

© Imperial War Museum.

 
Unsägliches Leid
Führung6667

66 - Otto Dix

Nachdem Dix in den ersten Kriegsmonaten hauptsächlich expressionistische Selbstbildnisse gemalt hatte, versuchte er, dem Gefühl der Angst und der Bedrohung Ausdruck zu verleihen. Kurz vor seiner Abkommandierung an die Front, zunächst im Osten, später im Westen, stellte Dix sich so dar, wie er war, ein anonymer Soldat, ein durch das Tragen der Uniform todgeweihter junger Mann, eine Zielscheibe - wie auch der Titel des Bildes besagt. Ein violetter Schein umgibt den Kopf. Die roten Besätze auf Kragen und Mütze lassen ihn deutlicher hervortreten, und die Kokarden an der Mütze scheinen die Stellen für Kopfschüsse zu markieren. Dix hätte nicht deutlicher ausdrücken können, auf welches Schicksal er gefaßt war; sämtliche Hoffnung, unversehrt zurückzukehren, hatte er aufgegeben.
 

 
53-Leroux"Mit einem merkwürdig beklommenen Gefühl der Unwirklichkeit starrte ich auf eine blutüberströmte Gestalt mit lose am Körper herabhängenden und seltsam abgeknicktem Bein, die unaufhörlich ein heiseres "Zu Hilfe!" hervorstieß, als ob ihr der jähe Tod noch an der Kehle säße. Sie wurde in ein Haus getragen, von dessen Eingang die Rote-Kreuz-Flagge herabwehte.
Was war das nur? Der Krieg hatte seine Krallen gezeigt und die gemütliche Maske abgeworfen. Das war so rätselhaft, so unpersönlich. Kaum, daß man dabei an den Feind dachte, dieses geheimnisvolle, tückische Wesen irgendwo dahinten. Das völlig außerhalb der Erfahrung liegende Ereignis machte einen so starken Eindruck, daß es Mühe kostete, die Zusammenhänge zu begreifen. Es war wie eine gespenstische Erscheinung am hellen Mittag."

Ersnt Jünger, In Stahlgewittern.