Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  50 - Jacques Villon

Jacques Villon, L'entonnoir en Champagne (Trichter in der Champagne), Tusche auf Papier, Musée d'histoire contemporaine - BDIC, Paris.

© SESAM, Paris, 1998.

 
Das Zeitalter der Artillerie
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50 - Jacques Villon

Bombentrichter, durch Minen oder großkalibrige Geschosse in die Erde gerissen, gehörten zum Schlachtfeld. Dort wurde gestorben, wenn ein Geschoß einschlug, dort fand man Deckung, wenn die Artillerie die Schußrichtung wechselte. Am Rand des von Villon dargestellten Trichters befinden sich kleine Nischen, in denen die Soldaten abwarten und sich ausruhen. Fotografien dieser Zeit zeigten solche Ansichten sehr oft, wobei gern und absichtlich zerfetzte Menschen und zerstörtes Material, die im Trichter herumlagen, mit ins Bild genommen wurden. Villon begnügt sich damit, die Tiefe und die steil abfallenden Wände des Erdlochs durch Schräglinien anzudeuten, wie bei einer topographischen Skizze. Sein Anliegen ist weniger künstlerischer, sondern eher dokumentarischer Art. Die anschauliche Darstellung des durch die Explosion entstandenen, künstlichen Reliefs gibt nur Tatsachen wieder, wobei es dem Betrachter überlassen bleibt, sich die Wucht vorzustellen, mit der die Erde so tief hat aufgerissen werden können.
 

 
50-Villon"Himmel und Erde schwanken zwischen den halb geöffneten Augen; es ist naßkalt; nach und nach nimmt man Dinge wahr, bis man schließlich alles wiedererkennt; niemand ist in der Finsternis getötet worden, niemand verschüttet, trotz des anhaltenden, schweren Beschusses: dieselbe Erde und dieselben Leichen; der ganze Körper ist von Schütteln ergriffen, zuckt warm und tief bis ins Mark, und schmerzt; nicht einmal mehr Bilder, nur noch diese brennende Müdigkeit, die der Regen auf der Haut vereisen läßt: ein Tag bricht an über dem Kraterloch, das die deutschen Batterien weiter beschießen, sie schießen auf das, was von uns da oben noch übrig ist, zwischen Leichen im Morast liegend, in der einst fruchtbaren Erde, die nun verseucht ist von Gift und verwesendem Fleisch, und die von unseren Höllenqualen nicht mehr gesunden wird."

Maurice Genevoix, Ceux de 14, Paris, Flammarion, 1950.