Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  36 - Gino Severini

Gino Severini, Kanonen in Aktion, 1915, Öl auf Leinwand, 50 x 60 cm, Museum Ludwig.

© SESAM, Paris, 1998. Photo : Rheinisches Bildarchiv, Köln.

 
Das Zeitalter der Artillerie
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36 - Gino Severini

Eine Schwierigkeit galt es noch zu überwinden, falls das überhaupt möglich war, nämlich zum Bild den Lärm hinzuzufügen und so die Empfindung umfassend zu vermitteln. Durch kubistische Collagen fügt Severini Wörter und Lautmalereien hinzu. So schafft er den Übergang zu einem Gedicht-Gemälde. Manche dieser Einfügungen können rudimentär erscheinen wie zum Beispiel das "Bumm" der Explosion. Andere geben Hinweise auf die Technik selbst: "arithmetische Perfektion", "geometrischer Rhythmus", "zur Erde geneigte Kurve". Das Bild soll nicht nur betrachtet, sondern auch gelesen werden, zumal die Artilleristen nur angedeutet sind und auch die Kanone nur ungenau dargestellt ist. 1916, kurz nachdem er seine Kriegsbilder gemalt und ausgestellt hatte, wandte sich Severini von den kriegerischen Motiven und dem - wie er ihn bezeichnete - "ideistischen Realismus" ab und malte fortan kubistische Stilleben. Es ist naheliegend, diese Entwicklung zumindest teilweise mit der Einsicht zu erklären, daß die Malerei nicht ungestraft Motive aufgreifen kann, die sich ihr entziehen. Kein Werk vermittelt den "beißenden Gestank" oder die "Zentrifugalschwere" ; genauso unbefriedigend ist es, die Wörter auf die Leinwand zu malen.
 

 

 
36-Severini"Die Batterien sind wie eine Schützenkette aufgereiht! Auf offenem Feld. Überall stehen sie. Man stolpert förmlich darüber. Es ist unbeschreiblich, wie viele Geschütze bei diesem Angriff zum Einsatz gekommen sind. (…) An Material fehlt es hier nicht. Um einen Überblick zu gewinnen, mußte man über die Vororte von Verdun hinausgehen, wo die schweren Geschütze liegen. Dort war es wirklich infernalisch. Ich ging übrigens mit einer Gruppe Gefangener hinunter (den ersten, die gemacht wurden). Boches und Franzosen zusammen, so haben wir einen der schlimmsten Artillerieangriffe auf Verdun erlebt. Die Artilleristen waren wie besessen. Sie schrien wie Wildgewordene. Stell Dir vor, man hatte ihnen Schnellfeuer befohlen. Ich habe Offiziere in Hemdsärmeln gesehen, die beim Zureichen der Geschosse halfen, damit es schneller ging!"

Fernand Léger, Verdun, am 25.10.1916.