Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  16 - Gino Severini

Gino Severini, Plastische Synthese des Begriffs Krieg, 1915, Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm, Staatsgalerie Moderner Kunst, München.

© SESAM, Paris, 1998.

 
Das Schlachtfeld
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16 - Gino Severini

Severini (1883-1966) nahm selbst nicht an den Kämpfen teil, versuchte aber zwischen 1914 und 1915, sie zu schildern, indem er sich auf den französischen Kubismus und den italienischen Futurismus stützte, dem er sich angeschlossen hatte. Er schildert nicht, sondern fügt Details und Wörter zu einer symbolischen Komposition zusammen und setzt damit die ab 1912 von Picasso und Braque entwickelten Theorien der kubistischen Collage um. Der Befehl zur allgemeinen Mobilmachung, ein Schiffsanker, eine Lafette, eine Zielvorrichtung, die Tragfläche eines Flugzeugs mit der französischen Kokarde, ein Schornstein und das Datum der Kriegserklärung stellen aneinandergefügt den Krieg dar. Bezeichnend ist, daß Severini nicht einmal andeutungsweise den Menschen in seine Komposition einbezieht, sondern in seiner bildlichen Sprache lediglich auf Elemente zurückgreift, die von Ingenieuren entwickelt wurden. Hier wird die Verbindung zwischen industriellem Fortschritt und künstlerischer Modernität deutlich. Severini bezeichnet seine Ästhetik als "ideistischen Realismus".