Coquelicot Die Farbe der Tränen
  Führung Verzeichnis der Maler Partner Vorwort

 
  14 - John Nash

John Nash, Over the Top (Über den Grabenrand), Öl auf Leinwand, 79,4 x 107,3 cm, Imperial War Museum, London.

© Imperial War Museum.

 
Das Schlachtfeld
131415

14 - John Nash

Over the Top entspricht dem Archetypus der Schlachtenmalerei und stellt einen Angriff der First Artist's Rifles dar, die ihre Schützengräben verlassen und auf Marcoing in der Nähe von Cambrai vorstoßen. Sechzig der achtzig Soldaten kamen in den ersten Minuten des Angriffs um oder wurden verwundet. John Nash (1893-1977) war unter den zwölf von den Geschossen Verschonten. Anders als sein Bruder Paul Nash malte er dieses schonungslose Bild aus dem Gedächtnis. Es ist das bekannteste Werk des Künstlers und wohl auch eines der bemerkenswertesten Kriegsbilder, denn bei aller Neutralität offenbart es die Sinnlosigkeit des ungedeckten Angriffs und die Gewißheit, daß es kein Entrinnen gibt. Wichtiger als der Stil des Künstlers, der die Szene realistisch aber in keiner Weise übertrieben wiedergibt, ist die Überzeugungskraft des Bildes, das darauf abzielt, im Gedächtnis des Betrachters weiterzuleben.
 

 

 
14-Nash"Sobald unsere Staffel losstürmt, wankend aus den Gräben auftaucht, spüre ich, wie es zwei der Männer neben mir erwischt, zwei Schatten, die zu Boden stürzen, über die wir hinwegstolpern, der eine mit einem gellenden Schrei, der andere lautlos wie ein Stier. Ein anderer fährt in einer wahnsinnigen Geste dahin, als würde er davongetragen. Instinktiv rücken wir näher zusammen und schieben einander vorwärts, immer vorwärts; die in unsere Horde gerissene Wunde schließt sich von allein. Der Feldwebel bleibt stehen, hebt seinen Säbel, läßt ihn fallen und fällt auf die Knie; Zuckungen reißen seinen knienden Körper nach hinten, sein Helm fällt ihm auf die Fersen, so bleibt er knien, baren Hauptes, das Gesicht zum Himmel gewendet. Um diese Reglosigkeit zu bewahren, hat sich die Staffel in ihrem Lauf plötzlich geteilt. Aber der Leutnant ist nun nicht mehr zu sehen. Die Truppe ist führungslos, also … Ein Zögern hält diese Menschenflut zurück, die auf dem Plateau angekommen ist. Im Getrampel hört man das Keuchen der Lungen.
'Vorwärts!', schreit irgendein Soldat.
Und alle stürzen wieder nach vorn, noch schneller auf den Abgrund zu."

Henri Barbusse, Das Feuer, Paris, Flammarion, 1916.