Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  10 - Ernst Ludwig Kirchner

Ernst Ludwig Kirchner, Selbstbildnis als Soldat, 1915, Öl auf Leinwand, 69,2 x 61 cm, Allen Memorial Art Museum, Oberlin College, Ohio.

© Ingeborg & Dr.Wolf-Henze-Ketterer, Wichtrach/Bern.

 
Die Soldaten
910Führung

10 - Ernst Ludwig Kirchner

Kirchner (1880-1938), einer der führendsten Vertreter des deutschen Expressionismus, entging der Mobilmachung ebenfalls nicht. Er wurde zur Feldartillerie einberufen, wurde jedoch bald lungenkrank und depressiv, und im Oktober 1915 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dermaßen, daß er ins Hinterland verlegt werden mußte. In seinem Berliner Atelier zurück, malte er zwei Selbstbildnisse: eins als niedergeschlagener Trinker, das andere als Soldat. Die an die Wände gelehnten Bilder und das Aktmodell kennzeichnen eindeutig den Ort und seine Funktion: Hier in diesem Atelier hatte Kirchner zuvor seine äußerst satirischen Szenen aus dem alltäglichen Leben gemalt. Aber ist der im Vordergrund Abgebildete noch dieser Maler? Er trägt die Uniform und das Käppi des 75. Artillerieregiments, in dem der Künstler gedient hat. Statt einer den Pinsel haltenden Hand, streckt er einen blutigen, am Gelenk abgerissenen Armstumpf vor. Die Verstümmelung ist symbolisch: Dieser Mann kann nicht mehr malen, das Modell kleidet sich umsonst vor ihm aus. Kirchner hatte keine derartige Verwundung davongetragen. Nach physischer und psychischer Genesung nahm er seine Arbeit wieder auf. Jedoch nahm sein Leben ein tragisches Ende: Von den Nazis verfolgt beging er Selbstmord.