Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  2 - Alfred Kubin

Alfred Kubin, Die Kriegsfackel, 1914, Oberösterreichisches Landesmuseum, Linz.

© SESAM, Paris, 1998.

 
Die Kriegserklärung
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2 - Alfred Kubin

Stimmungswechsel: Bereits im Dezember 1914 glaubte Kubin (1887-1959), einer der Hauptvertreter des Symbolismus, nicht mehr an einen frischfröhlichen Krieg, ebensowenig an einen schnellen Sieg. Vor brennenden Häusern erhebt sich die unheilvolle Allegorie des Todes, die Kubin bereits mehrmals gezeichnet hatte, wodurch er auf sarkastische und zugleich makabre Weise die Grausamkeit des Menschen geißelte. Während der gesamten Dauer des Krieges, an dem er selbst nicht teilnahm, zeichnete er wie ein Besessener Skelette, Hexen und Gespenster, wodurch er seinen Ängsten Ausdruck verlieh.
 

 
2-Kubin"Ein Gerichtsvollzieher, der die Miene eines Leichenbestatters aufsetzte und darauf bedacht zu sein schien, die Angehörigen zu schonen, sagte uns: 'Meine Herren, gehen Sie zum Postamt in der Rue Rabelais … Beeilen Sie sich, damit Sie die ersten sind.'

Die ersten, wozu?

Ja, die ersten, die auf dem gewöhnlichen blauen Telegrammpapier den handgeschriebenen Wortlaut des Befehls zur allgemeinen Mobilmachung zu lesen bekommen. Ein Bürogehilfe hat ihn über dem Briefkasten für Drucksachen angeschlagen. Passanten blieben stehen und im Handumdrehen entstand um uns herum ein ständig wachsender Menschenauflauf. 'Laut lesen!' rief jemand. Zu lesen war wenig, aber der Wortlaut war eindeutig. Einer von uns verlas den kurzen, schreckenerregenden Text. Es war, als hielten alle um uns herum den Atem an. Plötzlich rief jemand: 'Vive la France! Es lebe Frankreich!'"

André Salomon, Erinnerungen ohne Ende, Zweiter Teil (1908-1920), Paris, Gallimard, 1956.