Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  Der Tod

"Er lag mit dem Gesicht in einer Blutlache. Als ich ihn umdrehte, sah ich an einem großen Loch in der Stirn, daß hier keine Hilfe mehr not tat. Ich hatte mit ihm gerade noch einige Worte gewechselt; plötzlich hörte ich ihn auf eine Frage nicht mehr antworten. Als ich nach Sekunden um die Schulterwehr trat, hinter der er verschwunden war, lag er bereits tot. Das hatte etwas Gespenstisches." So schildert Ernst Jünger den Tod eines neben ihm gefallenen Kämpfers. Alle Erzählungen über den Ersten Weltkrieg enthalten derartige Berichte. Der Tod war alltäglich, die Leichen allgegenwärtig. Wo die Schlacht lange und erbittert tobte, lagen sie zuhauf. Beim Ausheben von Gräben und Unterständen stieß man immer wieder auf menschliche Überreste. Sie wurden aufgetürmt und boten Deckung. Die Lebendigen schliefen und aßen umgeben von Leichen. Bei Verdun suchte Léger Deckung. "Mir lag vor allem daran, nicht in unmittelbarer Nachbarschaft irgendeines Kadavers zu liegen. Um meinen Kopf in der Mulde unterzubekommen, grub ich unglücklicherweise etwas zu tief. Zwei beschuhte Füße kamen zum Vorschein, es war die Leiche eines Franzosen (die Boches haben nur Stiefel). Ich versuchte es ein bißchen höher. Vergeblich. Überall lagen menschliche Überreste." 


Le Miroir 8. Oktober 1916

Die Zeitungen machten keinen Hehl daraus. Bereits im Herbst 1914 wurden die ersten Aufnahmen von Leichen veröffentlicht, allerdings wurde darauf geachtet, daß sie aus dem feindlichen Lager stammten. Allmählich ließ diese Zurückhaltung nach, und am 8. Oktober 1916 bildete die Illustrierte Le Miroir die Aufnahme von zwei toten Soldaten ab, einem deutschen und einem französischen Infanteristen, die im selben Granattrichter lagen. Gleichzeitig wurden immer grauenhaftere Bilder veröffentlicht: Zerstückelte, verkohlte Leichen und Massengräber gehörten bald zur alltäglichen Kriegsberichterstattung in der Presse. Das Kino stand ihr dabei in nichts nach. Jacques-Emile Blanche besuchte eine Kinovorstellung, bei der mehrere Filme über die Zerstörung eines Zeppelin-Luftschiffes über Frankreich vorgeführt wurden: "Und dann ein weiterer Film: die toten Körper der Besatzung. Wie abgestumpft das Publikum sein mußte, um zu den Klängen eines langsamen Walzers, den der Dirigent des Orchesters als Begleitmusik ausgewählt hatte, in aller Ruhe diese Bilder zu betrachten, diesen weißen Rücken, den Rücken eines molligen, blonden Deutschen, dessen Kopf ein verkohlter Klumpen war. Die anderen Leichen auch verkohlt, Arme, Beine, alles nur noch Holzkohle."
Es war also nicht verwunderlich, daß der Tod auch in Zeichnungen, Graphiken und Gemälden dargestellt wurde. Otto Dix' Werk durchzieht das Motiv fast obsessiv und klingt bei vielen anderen Künstlern ebenfalls immer wieder an. 

Opfer

Es wäre sicher nutzlos, ein umfassendes Verzeichnis dieses immer wiederkehrenden Motivs aufstellen zu wollen. Aufschlußreicher ist es gewiß, die unterschiedlichen stilistischen Darstellungsweisen zu untersuchen, die von der realistischen Schilderung bis zur Allegorie reichen. 

Gedenken

Die in mehrfacher Hinsicht letzte Art der Darstellung des Kriegs ist die auf die Ereignisse zurückschauende, sie nicht beschreibende, sondern wertende, die versucht, nur den Sinn zu erhalten. Sie symbolisiert, synthetisiert, mahnt. Sie schildert auch: sie zwingt zur Betrachtung des Angerichteten und verhindert durch die fortwährende Erinnerung an das Grauen, daß es in Vergessenheit gerät.

Führung . . .

  82 - Otto Dix

    Opfer
83 - Max Beckmann
84 - William Orpen
85 - George Grosz
86 - Félix Vallotton
87 - Fernand Léger
88 - André Mare
89 - Luc-Albert Moreau
90 - C. R. W. Nevinson
91 - Otto Dix
92 - Otto Dix
93 - Frans Masereel
94 - William Orpen 

    Gedenken
95 - Félix Vallotton
96 - John Lavery
97 - William Orpen
98 - Otto Dix
99 - Otto Dix
100 - Otto Dix
101 - Albin Egger-Linz
102 - Marcel Gromaire
103 - Max Beckmann
104 - Sir Stanley Spencer
105 - Otto Dix