Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  Unsägliches Leid

Trommelfeuer, Minen, sinnlose Angriffe, Unterseeboote, Luftkämpfe - das alles drückt ein einziger Begriff aus: Leid, unsägliches, den Soldaten und der Zivilbevölkerung zugefügtes Leid. Das bedeutete Angst, Verwundung, Tod für die einen und Entbehrungen für die anderen. Da der Erste Weltkrieg der bis dahin grauenhafteste war, da er blindwütig und erbarmungslos Vernichtungen anrichtete, wurde in allen kriegführenden Ländern das Leid zum Darstellungsgegenstand. Die Bilderflut war um so größer, als alle Völker vom Leid betroffen waren und die neuen Kampfmethoden besonders entsetzliche Auswirkungen hatten. 

Nach dem Gefecht

Wenn der Krieg seine Krallen zeigte, ließ er unzählige Opfer zurück, Gefallene, Verwundete, Gefangene. Das Schicksal der letzteren fand keinen großen Niederschlag im Schaffen der Künstler. Die Presse veröffentlichte zwar Aufnahmen langer Gefangenenkolonnen - meistens zu Propagandazwecken - und einige Zeichnungen, die Abbildung des besiegten Gegners blieb jedoch die Ausnahme. 

Lazarette

"Das Lazarett der Division lag auf der anderen Seite des Platzes. Es war ein großes, leerstehendes Haus, ganz schwarz, ohne Möbel, nicht einmal eine Pritsche befand sich darin.
Im Unterhemd und mit Schweißperlen im Gesicht untersuchte der Major hastig die Verwundeten. Ein Sanitäter beleuchtete ihre Verletzungen mit einer Laterne. Auf dem Boden lagen schmutzige Verbände und Wattebäusche herum. Eine große Schüssel war übervoll mit gerötetem Wasser.
'Noch einer,' sagte der Major, indem er sich mit seinem bloßen Arm die Stirn abwischte." Diese Szene beschreibt Dorgelès in seinem Werk Die hölzernen Kreuze. Ähnliche Beschreibungen finden sich in allen Kriegserzählungen, ob sie nun aus Sicht der Ärzte oder der Verwundeten geschrieben sind, was am häufigsten der Fall ist. Ob in deutschen oder in französischen Lazaretten, das Bild ist immer das gleiche: unheilbare Wunden, zu wenige Ärzte und Sanitäter, oberflächliche Behandlung, Schmerzensschreie, Röcheln. Zum Vergleich die Beschreibung, die Jünger von seiner ersten Verwundung gibt: "Ein abgespannter Arzt stand mitten im Gewühl stöhnender Menschen, verband, machte Einspritzungen und gab mit ruhiger Stimme Ermahnungen. Ich zog mir den Mantel eines Gefallenen über den Leib und fiel in einen Schlaf, den ein beginnendes leichtes Fieber mit sonderbaren Träumen durchschoß. Einmal mitten in der Nacht wachte ich auf und sah den Arzt immer noch beim Schein einer Laterne an der Arbeit." Ernst Jünger, In Stahlgewittern. 

Trümmer

Zum menschlichen Leid kamen materielle Schäden, zerbombte Städte und Dörfer, zerstörte Fabriken und Bergwerke. Ypern, Reims, Verdun waren Namen, die ständig in den Nachrichten auftauchten, Orte, von denen 1918 nur noch Trümmer übrig waren. Auf allen Schlachtfeldern, an allen Fronten waren die Auswirkungen vergleichbar: In Belgien, in Frankreich, in Mitteleuropa und im Balkan verwüstete der Krieg ganze Regionen, trieb die Zivilbevölkerung in die Flucht und vernichtete ihre Ressourcen. Fotografische Dokumente zeugen davon, und auch auf Gemälden sind im Hintergrund oft Schutthaufen, Mauerreste und verkohlte Dachgestühle, Überreste eines Gehöfts oder eines Dorfs dargestellt.
Seltener jedoch wählten Maler Trümmer als Hauptmotiv eines Werkes, als wäre jedem klar, daß materielle Schäden in keinem Verhältnis zu dem nicht wiedergutzumachenden menschlichen Leid stehen können.

Der Tod . . .

  66 - Otto Dix

    Nach dem Gefecht
67 - Egon Schiele
68 - Pablo Picasso
69 - Marc Chagall
70 - Eric Heckel
71 - C. R. W. Nevinson
72 - John Singer Sargent 

    Lazarette
73 - Max Beckmann
74 - Ossip Zadkine
75 - Eric Kennington
76 - Gino Severini
77 - Sir Stanley Spencer 

    Trümmer
78 - C. R. W. Nevinson
79 - Pierre Bonnard
80 - Félix Vallotton
81 - John Singer Sargent