Coquelicot Die Farbe der Tränen
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  Das Schlachtfeld

Das war das Thema par excellence. Seit der Renaissance hatte sich die Schlachtenmalerei entwickelt und dabei den materiellen und taktischen Veränderungen Rechnung getragen. Den von Uccello dargestellten Kavallerieattacken folgten die Darstellung von Scharmützeln, Belagerungen und Schlachtordnungen. Nach den Kampagnen des Ersten und Zweiten Kaiserreichs brachte der Deutsch-Französische Krieg zahlreiche Werke hervor, die das Geschehen in realistischer Weise schilderten und immer großformatiger wurden, aber auch Bilder patriotischen Inhalts wurden weiterhin gemalt und waren Liebhabern und Museen in der Provinz zugedacht.
Noch nach 1870 blieb die Malerei das wesentlichste Darstellungsmittel des Kampfgeschehens. Die Fotografie konnte es zu dieser Zeit noch nicht mit ihr aufnehmen, da die schweren Apparate und die für Momentaufnahmen zu langen Belichtungszeiten hinderlich waren. Der Fotograf konnte seiner Aufgabe erst im nachhinein nachkommen und nur die Überreste einer zerbombten Schanze in Sebastopol und die einer Barrikade der Pariser Kommune ablichten. 1914 hatte sich die Lage auf Grund der verbesserten fotografischen Technik und ihrer großen Verbreitung in der Bevölkerung jedoch grundsätzlich geändert. Bereits in der Einführung wurde darauf hingewiesen, daß im Grunde genommen jeder Soldat Aufnahmen machen konnte, die, wenn sie besonders gelungen waren, von Wochenblättern veröffentlicht wurden. Hochdotierte Wettbewerbe wurden ausgeschrieben, um den Eifer der improvisierten Berichterstatter anzustacheln. 

Le Miroir 2. mai 1915

Am 2. Mai 1915 bildete die Illustrierte Le Miroir die erste Momentaufnahme von einem Gefecht ab, die zeigt, wie eine Bombe explodiert, als Dragoner zu Fuß in einer Landschaft mit Wiesen und Wäldern zum Angriff übergehen. Die mittelmäßige Qualität der Aufnahme bürgte nach Erklärung der Zeitschrift für ihre Authentizität. Das Dabeigewesensein trat nun in den Vordergrund, worauf eine lange Reihe von Momentaufnahmen folgte, die viel früher entstanden als das bekannte, im Spanischen Bürgerkrieg aufgenommenen Foto von Robert Capa, das einen republikanischen Soldaten genau in dem Augenblick zeigt, als ihn eine Kugel in vollem Lauf niederstreckt. Die Maler ließen sich trotzdem nicht davon abhalten, Schlachtgemälde in den verschiedensten Malstilen zu schaffen. 

Der Angriff

Die Schwierigkeiten bei der bildnerischen Gestaltung waren so gewaltig, daß sich für Künstler der unterschiedlichsten Schulen und Richtungen die verschiedensten Lösungen und Wege ergaben. 

Der mechanisierte Krieg

Selbstverständlich veränderte die technische Revolution die Kampfbedingungen, sie war ausschlaggebend für die Wahl der Taktik, zwang zum Verzicht auf Reiterattacken und zum Eingraben der Stellungen: der Verlauf des Krieges hing nun vom Erfindergeist der Ingenieure und der Anzahl der von der Industrie hergestellten Maschinen ab. Die kriegführenden Mächte förderten den technischen Fortschritt und setzten ständig verbessertes Kriegsgerät ein. Schnellere Schußfolge, durchschlagendere Wirkung der Geschosse und immer verheerendere Zerstörungen waren das Ergebnis. Außer Maschinengewehren kamen im Ersten Weltkrieg auch erstmals Panzer und Giftgas zum Einsatz. 

Der unterirdische Krieg

Nachdem sich die Westfront von der Nordsee bis zum südlichen Elsaß stabilisiert hatte, erstarrte sie im Stellungskrieg. Von da an und bis zur Wiederaufnahme der Feldzüge im Jahre 1918, die zunächst von deutscher Seite, dann auch von alliierter Seite aus geführt wurden und Frontverschiebungen und Truppenbewegungen mit sich brachten, waren die Kriegsparteien hauptsächlich damit beschäftigt, ihre eigenen Stellungen einzugraben und durch Anlegen von Sappen und Einsatz von Minen die gegnerischen Linien zu vernichten. 

Der unsichtbare Krieg

Die veränderte Kriegführung stellte neue Anforderungen: Geschütze, Schützengräben und Verbindungswege mußten sich dem gegnerischen Blick entziehen. Der Feind spähte aus seinen Schützengräben heraus oder benutzte Fesselballons und Luftschiffe zur Unterstützung seiner Artillerie und zur Beobachtung von Truppenbewegungen. Tarnung wurde zu einer wesentlichen Aufgabe. Waren die Uniformen zuvor farbenfroh und auffallend gewesen, so mußten sie sich nun den neuen Bedingungen anpassen, um ungesehen zu bleiben. 

Der Schützengraben

Der Schützengraben diente gleichzeitig als Quartier, zur Deckung, als Ausgangspunkt für Angriffe, als Unterstand - und war bevorzugtes Ziel für Feuerüberfälle. Dort wurde gelebt, gewartet und tagtäglich gestorben. Nur wenige Kunstwerke schildern das tägliche Einerlei im Schützengraben, wenn die Waffen ruhten. An fotografischen Dokumenten, von Soldaten aufgenommen, die ihren Familien Einblick in ihren Alltag geben wollten, mangelte es hingegen nicht.

Das Zeitalter der Artillerie . . .

      Der Angriff
11 - Alfred Basel
12 - Oskar Laske
13 - Eric Kennington
14 - John Nash
15 - Umberto Boccioni 

    Der mechanisierte Krieg
16 - Gino Severini
17 - C.R.W. Nevinson
18 - Henri Gaudier-Brzeska
19 - William Roberts
20 - Henri de Groux
21 - Otto Dix
22 - Frank Brangwyn 

    Der unterirdische Krieg
23 - Fernand Léger
24 - David Bomberg
25 - Félix Vallotton 

    Der unsichtbare Krieg
26 - André Mare
27 - André Mare und
      Leon Underwood 

    Der Schützengraben
28 - Guillaume Apollinaire
29 - Fernand Léger
30 - C.R.W. Nevinson
31 - Maurice Denis
32 - Edouard Vuillard
33 - C.R.W. Nevinson